Superkleber: Unterschätzte Gefahren

Superkleber kleben zwar super, aber die Gefahren sind den Meisten unbekannt, oder werden ignoriert, oder sogar bagatellisiert. Deshalb soll hier unter dem Tag “kleben” eine kleine Sammlung an Erfahrungen entstehen, wie/was für Selbstreparierende zuhause geklebt werden kann - und v.a. soll, mit den entsprechenden persönlichen Schutzmaßnahmen.

Anlass für diese Infoseiten: Bei meiner Lupenbrille ist der Bügel gebrochen, weshalb ich mich in einem fränkische Discounter :wink: in den Wühlboxen nach einem geeigneten Kleber umgesehen habe. Und was habe ich da entdeckt???

Einen 2K-Schnellkleber. Solche Zwei-Komponenten-Kleber sind

SEHR gesundheits- und umweltschädlich!

Die Warnhinweise auf der Rückseite werden meistens nicht gelesen oder ignoriert und bagatellisiert. Denn solche 2K-Kleber sind eigentlich Epoxidharz-Kleber (= 1. Komponente; 2. Komponente = Härter), wofür eigentlich auch ein technisches Sicherheitsdatenblatt mitgeliefert werden müsste. Eigentlich. Aber bei solchen Wühlboxen-Angeboten sind die kleingedruckte Infos anscheinend ausreichend. Hier mal groß gemacht:

Um solche Epoxidharz-Kleber (auch zuhause für Selberbastler!) sicher anwenden zu können (sowie in RepairCafés und Offenen Werkstätten), solltet ihr ein Mindestmaß an persönlicher Schutzausrüstung vorsehen und nutzen.

Beim Institut für Arbeitsschutz (DGUV) werden die Gefahren bei Praxishilfen Gefahrstoffe: Epoxidharze ausführlicher beschrieben, und wie ihr euch davor schützen könnt.

Hier das Wichtigste zuerst, einmal kurz zusammengefasst:

  • Schutzhandschuhe (Mindeststärke beachten!)
  • Schutzbrille
  • Atemschutz(?) oder doch nur im Freien verwenden?

Schutzhandschuhe: Material-Stärke wichtig!

Normale haushaltsübliche Einmal-Handschuhe sind bei Expoxidharzen/Resins unwirksam. Materialstärke ca. 0,06 mm => viel zu dünn! Diverse Inhaltsstoffe von Epoxidharzen gehen einfach durch. Gefahr: “Erstsensibilisierung”, allergische Reaktionen,… Die BG-Bau hat generell eine Mindeststärke von 0,4 mm empfohlen, um die gängigsten Chemikalien in Epoxidharzen von der Haut abhalten zu können (Stichwort: Permeation).

Weiteres kurz erwähnt:

Schutzbrille: eher als Schutz vor versehentlichem Augenreiben :wink: , oder doch “H319 Verursacht schwere Augenreizung*”*.

Atemschutz: Wäre bei der Arbeit mit Epoxidharzen generell vorgeschrieben, wegen der Dämpfe. Wie hält ihr das bei (Epoxidharz-)Superklebern? Einfach ins Freie gehen?
Was glaubt ihr, was dieser P261-Satz bedeutet:
“P261 Einatmen von Staub/Rauch/Gas/Nebel/Dampf/Aerosol vermeiden”?
Komplett vermeiden? Oder nur ein bisschen vermeiden? Ein Praxis-Tipp aus dem Internet im Umgang mit Superklebern war, aus Bequemlichkeit in geschlossenen Räumen einfach nicht atmen(?) :wink:


Und damit wären wir noch gar nicht bei den Umweltgefahren:
H411 Giftig für Wasserorganismen, mit langfristiger Wirkung
P273 Freisetzung in die Umwelt vermeiden.
P391 Verschüttete Mengen aufnehmen.
P501 Inhalt/Behälter einer Sammelstelle für gefährliche oder spezielle Abfälle, in Übereinstimmung mit lokalen, regionalen, nationalen und/oder internationalen Vorschriften zuführen.

Aber dazu später etwas mehr - der Beitrag ist eh schon zu lange tl;dr-Gefahr :wink:

KURZUM:
Wenn ihr im Supermarkt zu solchen Epoxidharz-Superklebern greift, solltet ihr der Gefahren bewusst sein und euch informieren, wie diese gefahrlos genutzt werden können. Mehr dazu dann hier im Forum “Reparatur-Hilfen” (tag: kleben), worauf ihr achten müsst, und wie solche Kleber gefahrlos genutzt werden können … sowie in der Offenen Werkstatt.